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Nachdem ich mich nach meinem ersten Abend beim Uluru / Ayers Rock erholt hatte (siehe letzten Beitrag), hiess es „anpassen und neu organisieren“. Da ich seit nun schon 34 Tagen jeweils maximal 5 Stunden pro Nacht schlafen konnte, hatte es sich die letzten Wochen eingespielt, dass ich wenn immer möglich von 12.00 bis 13.30 Uhr einen Mittagsschlaf hielt. Bei den angenehmen Temperaturen in Tasmanien und Südaustralien war dies definitiv machbar. Anders sah es nun hier im Red Center aus.

Ich hatte mittags Temperaturen von teils 42 Grad (45 Grad bei der Autoanzeige) und das Schlafen konnte ich mir im nicht klimatisierten GFK Camperkabinchen getrost abschminken. Ich wäre zum wohl Niedergar-Fotografenfilet geworden. In der Nacht dasselbe. Vor 23.00 Uhr gingen die Temperaturen draussen nicht unter 30 Grad und man verspürte nachts kein einziges Lüftchen. Morgens um 5.00 Uhr sank das Thermometer dann erstmals unter die 23 Grad Grenze und genau DANN röhrte mein Wecker und es hiess: Sonnenaufgangswanderung. Als ich dann jeweils so gegen 11.00 Uhr von der morgendlichen Fototour zurückkam, stand das Thermometer schon auf 35 Grad und an Schlaf war nicht mehr zu denken. Zugegeben - ich bin sonst sehr zäh was der Schlafentzug beim Fotografieren angeht, aber in diesen 8 Tagen im Red Center hab ich definitiv gelitten.


Tagesablauf im Red Center

05.00 Uhr: Sonnenaufgang fotografieren (meist 3-4 stündige Wanderungen bei den Olgas) 

10.00 / 11.00 Uhr: Ankunft beim Auto - Weiterfahrt mit 50-70 km/h statt den erlaubten 110-130 km/h damit ich länger im klimatisierten Auto sitzen konnte und Laptop und Akkus geladen wurden :-) kein Witz.

15.00 Uhr: Ankunft am neuen Fotospot. Spotten und wenn erlaubt ein Drohnenflug zum Abchecken der Landschaft und mögliche Spots für Sunset.

17.00 Uhr: Start Sonnenuntergangswanderung (meist auf verbotenen Wanderwegen, da ab 11.00 Uhr morgens alle geschlossen werden wegen Hitze)

22.00 Uhr: Ankunft beim Auto - Kochen, Abendessen, Bilder backupen

23.30 Uhr: Erster Versuch bei dieser Wahnsinnshitze einzuschlafen. Meist erst gegen 02.00 Uhr möglich. 

Ayers Rock vs. die Olgas - keine Frage
Nachdem ich den ersten Abend (30min) beim Uluru verbrachte und die Horden von Touristen und die hunderten Verbote einmal erlebt hatte, war für mich der Ayers Rock so zusagen gestorben. Nichts verdirbt mir beim Fotografieren schneller die Freude als höchste Einschränkungen, dutzende Verbote und Leute, die sich gegenseitig auf die Füsse trampeln. Schon am ersten Morgen stand ich um 05.00 Uhr am Eingang zum Nationalpark und als erstes Auto fuhr ich durch die Schranke und die 48 Kilometer zu den Kata Tjuta - den so genannten OLGAS. An jenem Morgen hatte ich vor, die Wanderung zum Valley of the Winds zu unternehmen. Da ich im Dunkeln zu den Olgas fuhr und den Aufstieg zum ersten Pass machte, wusste ich nicht wo ich war und wie es dort aussah. Ich wanderte also eine Stunde durch die Dunkelheit zum Valley of the Wind und wartete auf die Dämmerung. Als es dann langsam aber sicher heller wurde und ich realisierte wo genau ich war, waren alle schlechten Geschehnisse vom Vorabend vergessen und mein Strahlen im Gesicht wurde immer grösser. Ich war effektiv im Paradis auf Erden gelandet.


Schon bei der Fahrt zum Ayers Rock am Vortag staunte ich darüber, wie grün und saftig die Landschaft sich präsentierte. Es hatte Wochen zuvor so stark geregnet, wie seit 101 Jahren nicht mehr, stand in der Zeitung. Die Olgas, ein Gebirge, bestehend aus 30 so genannten „Domes“, sorgten dafür, dass der Regen über die Felsen in die Täler dazwischen floss und sich dort Seen und Flüsse bildeten. Mitten aus dieser grünen Pracht schossen die feuerroten Berge der Olgas hervor. Mich hätte es um ein Haar erschlagen vor Überforderung, denn als es heller wurde und ich diese Schönheit erst begriff, wollte ich, wie immer, an allen Orten gleichzeitig stehen. Stativ auf, ein Foto hier, weiterrennen zum nächsten Spot, ein Foto dort. Und dann direkt neben dem Wanderweg der erste See mit perfekter Spiegelung einer feuerroten Wand. WOW - es war einfach perfekt.


Einziges Manko, die Wolken am Himmel fehlten. Ich hasse nichts mehr als blauen Himmel, doch wenn der Vordergrund so viel zu bieten hat wie hier, kann man mal ein Auge zudrücken. Was mich extrem erstaunte war, dass trotz 40 Grad Temperatur die Sicht sensationell war und der Himmel nicht milchig blau sondern wirklich dunkelblau erschien. 

Diese Wanderung (3.5h ohne Fotohalt) machte ich dann während 2 Tagen jeweils morgens und abends. Morgens war ich jeweils alleine bis 08.00 Uhr und abends total alleine, da der Weg ab 11.00 Uhr morgens verboten war und man gebüsst wurde, wenn man sich nicht daran hielt. Glaubt man den Zahlen, die die Parkranger nennen, sind wegen den hohen Temperaturen in den letzten Jahren 34 Menschen bei Wanderungen in den Olgas und am Ayers Rock gestorben. Wenn man schaut, wie schlecht ausgerüstet die Touristen hier wandern, eine Zahl die sehr realistisch erscheint. 


Der Kampf gegen die Verbote
Der Ayers Rock ist für die Aborigines das Heiligste überhaupt. Aborigines klettern NIE (braucht zu viel Energie, früher ein NoGo) - Aborigines baden NIE (Wasserlöcher mussten sauber gehalten werden, da einzige Trinkwasserquelle) - AUSTRALIER und wir Touristen jedoch klettern auf Alles, was eine gute Aussicht verspricht und baden in jeder noch so kleinen Pfütze, Hauptsache man kann den Körper runterkühlen. Man sieht - 2 total unterschiedliche Kulturen und Verhaltensweisen treffen aufeinander. Vor Jahren, bevor das Land um den Ayers Rock und die Olgas den Aborigines zurückgegeben wurde, war hier Nationalpark. Man durfte fast alles machen, auf den Ayers Rock klettern, die Domes der Olga besteigen, in Wasserlöcher baden, mit dem Hubschrauber ÜBER und nicht nur neben den Olgas und dem Ayers Rock fliegen, etc. DANN wurde der Druck auf die Regierung zu gross und das ganze Gebiet wurde den Aborigines zurückgegeben. (Zu Recht wie ich meine) Diese bestimmen nun den grössten Teil und sagen was getan und was nicht getan werden darf. 



Zuerst zu den Verboten: Erklimmen von Bergen streng verboten. Das Kontroverse ist, dass ein Weg auf den heiligsten aller heiligen Berge, den Ayers Rock hinauf führt und links die Tafel mit der Beschriftung „Besteigen des Ayers Rock streng verboten“ und rechts eine Tafel mit der Schrift „Besteigen nur bis 10.00 Uhr“ steht. Also laut den Abos darf man nicht auf den Berg aber die Regierung von Australien sagt ja, weil sie sich davor fürchtet, die Touristen würden sonst ausbleiben. ICH für meinen Teil habe mich daran gehalten und bin NICHT auf den Ayers Rock gewandert. Aber in erster Linie weil mich der Ayers Rock nachdem ich die Olgas gesehen hatte nicht mehr wirklich interessierte und ich ihn abgesehen von einem Hubschrauberflug nicht mehr fotografierte. Die Olgas sind um das 1000-fache schöner und spektakulärer. Des Weiteren ist es verboten die Wanderwege zu verlassen, auf Hügel und Berge zu steigen, Drohne zu fliegen, das Valley of the Winds kommerziell zu fotografieren und jene Bilder zu teilen, etc. Also ALLES was ich als Fotograf mache, ist verboten. Ich persönlich bin darum Landschaftsfotograf geworden, weil mir die Natur und die Landschaft das Wichtigste überhaupt ist. Wäre mir die Kultur wichtig, wäre ich Portrait- oder Reporter-Fotograf geworden. Viele der Gesetze hielt ich ein, andere, zum Wohle eines guten Bildes jedoch nicht. Einige von Euch mögen mir das jetzt übel nehmen, aber ich bin wer ich bin und ich hätte keine guten Bilder wenn ich nicht ALLES dafür tun würde. (An dieser Stelle soll noch gesagt sein.. "ALLES" beinhaltet für mich ganz klar NICHT die Zerstörung der Natur.) Aufgrund des globalen massiven Touristenansturms, der von Jahr zu Jahr grösser wird, wird auch die Anzahl der Verbote und Einschränkungen immer grösser. DAS ist effektiv das grösste Problem, dass auf uns Fotografen zukommen wird. Wir brauchen immer kostspieligere Genehmigungen und Permits, erhalten aber von Jahr zu Jahr 30-50% weniger Geld pro Bild. Der Beruf des reinen Landschaftsfotografen wird es in ein paar Jahren so nicht mehr geben - da bin ich überzeugt!


Die Olgas von Oben - für mich mein persönlicher Heiliger Gral 
Am Schlimmsten (obwohl verständlich)  fand ich das absolut extreme Drohnenverbot beim Ayers Rock und den Olgas. Ein ganz grosser Teil von mir versteht dieses Verbot. Drohnen nerven! Sie sind laut, lästig, gefährlich, es gibt immer mehr davon, ABER und das ist das Wichtigste, sie ermöglichen bislang nie gesehene Perspektiven und somit total einzigartige Bilder. Vor 4 Jahren als ich mit der Drohnenfotografie begann, war ich der Held wenn ich meinen 12kg schweren 8-Motor-Multikopter auspackte und ihn in der Schweiz, Namibia, Island, Norwegen, etc. fliegen liess. Die Leute standen voller Freude und Neugier um mich herum und ich konnte tun und machen was ich wollte. DANN, und so ist es bei allem, war ich nicht mehr der einzige. Im letzten Jahr dann (2016) wurden alleine in der Schweiz 65’000 Drohnen verkauft. Bei so viel Gesurre mussten die Verbote kommen. In der Schweiz und in vielen Ländern der EU werden die Gesetze sehr vorbildlich erarbeitet und den Drohnenfliegern, die das beruflich machen, Chancen gegeben weiterhin zu fliegen. Auf dem REST DER WELT ist das anders. Drohnen werden einfach grundsätzlich verboten. In Australien, Island, den USA, Namibia, etc. ist dies sehr gut zu sehen. Die Firma, welche die „Drohnen verboten“ Schilder produziert, verdient sich aktuell eine goldene Nase. Ich hätte eigentlich vor Jahren in eine solche Firma investieren sollen ;-) Am Ayers Rock und den Olgas wird ein Verstoss mit bis zu 15’000 Dollar Bussgeld bestraft. Ein Betrag der sich definitiv ausserhalb meiner Kragenweite befindet. ABER ich MUSSTE einfach in die Luft, denn die Olgas und deren Schönheit ist vom Boden aus definitiv nicht nicht fotografierbar. Ich entschied mich, an einem Abend einen Rundflug für 200 Dollar zu buchen. Dieser war jedoch eine Katastrophe. Der Helikopter war voll (3 Leute, 1 Pilot), ich musste wegen meinen 85 Kilos (Anfang Reise waren’s noch 98 Kg) hinter dem Piloten sitzen, obschon ich offenkundig bereit war, auch mehr zu bezahlen für einen Sitz neben dem Piloten. Diesen Fotografenplatz erhielt dann eine junge Frau, die NUR ein Natel bei sich hatte und JETZT KOMMTS: KEIN EINZIGES BILD der Landschaft aufnahm, auf dem sie nicht selbst mit fettem Schmollmund auch drauf war. Diese Selfie-Sucht kennt keine Grenzen. Das Ding hat während 25 Minuten nur in ihr Natel gegafft und dem Piloten 3x den ausgestreckten Selfie-Arm ins Gesicht gedrückt, damit man die Olgas im Hintergrund ihrer dunklen Gegenlichtsilhouette sah. Ich hinten rechts stocksauer, ein Kopf so rot wie eine Tomate und kein einziges Bild ohne Spiegelung der Scheibe, dazu noch rechts, auf der äusseren Seite der Linkskurven um die Berge, die der Pilot flog. Da mir diese Bilder so wichtig waren, entschied ich mich, mein ganzes noch verbleibendes Budget der Reise in 2 Charter-Flüge zu investieren. Im Gegensatz des ultrateuren Eurocopter EC135, der an den 12 Aposteln im Einsatz war, war der Robinson R44 als Charter noch zahlbar. Ich buchte den Piloten mit dem R44 Hubschrauber für mich alleine für einen Sonnenauf- und Untergang und definierte die Flugroute, die ganz ganz knapp über das verbotene Fluggebiet an den Olgas hinausführte. Nach diversen Gesprächen und 300 Dollar mehr, als ursprünglich abgemacht, konnte ich die Flugfirma dann auch dazu überreden, 15min vor Sonnenaufgang loszufliegen, damit ich exakt bei den ersten Strahlen des Tages vor den Olgas sein würde.



Die Türe des Hubschraubers wurde abmontiert und ich konnte gar Luft-Panoramaaufnahmen aus dem Hubschrauber schiessen. Der Ayers-Rock wurde wieder einmal links liegen gelassen, da die Olgas sowohl beim Sonnenauf-, als auch Sonnenuntergangsflug erste Priorität hatten. Wie legal die Bilder, die bei diesen Flügen entstanden wirklich sind, sei dahingestellt. Für mich waren und sind diese Luftaufnahmen der Olgas der Heilige Gral. Bessere Bilder kommen noch, sobald ich abgeklärt habe, ob ich diese überhaupt zeigen darf. ;-)



Nächster Blogeintrag in ein paar Tagen: Über den Kings Canyon, MacDonnel Range bis zu den Devils Marbles