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Als ich am Morgen des 18. Aprils 2017 aufstand und den Sonnenaufgang in den Sanddünen des Valle de la Muerte fotografierte, sah ich die Gipfel der Anden am Horizont und mich überkam eine gewaltige Sehnsucht, wieder ins Gebirge zurückzukehren. Nie im Leben hätte ich mir erträumt, was ich in den darauf folgenden 3 Tagen erleben würde.

Ich hatte so viel Gutes von San Pedro de Atacama und der Atacamawüste gehört und was ich in den vergangenen Tagen gesehen hatte, war landschaftlich ganz hübsch, aber ich konnte, bzw. kann mir effektiv nicht vorstellen, warum Millionen von Touristen jedes Jahr hierher pilgern und die Atacama so unglaublich bekannt ist. Für mich und viele weitere ist San Pedro jedoch ein top gelegener "Stützpunkt", da es das einzige Städtchen ist, welches an der Grenze zwischen Bolivien, Chile & Argentinien liegt und eine eigenen Tankstelle, einige Autowerkstätten, Lebensmittelläden, Hotels und eine gewisse Infrastruktur bietet. 

Sonnenaufgang über dem Valle de La Muerte bei San Pedro de Atacama

Ich liess noch am selben Tag den staubigen „Moloch“ San Pedro hinter mir und machte mich auf den Weg zum 4'300 Meter über Meer gelegenen Paso Sico, den unbekannteren, auf einer Kiesstrasse befahrbaren Übergangspass von Chile nach Argentinien. Schon als ich aus San Pedro hinausfuhr fiel mir auf, dass der Himmel gespickt war von Lenticulariswolken, so genannten Linsenwolken, die grosse Windgeschwindigkeiten vorhersagten. Laut dem Wetterbericht war ein Sturm im Anmarsch und eine ganz kleine Chance auf Niederschlag. Nach rund 120 Kilometern stand ich am Wegweiser, der mich zum Naturreservoire Los Flamencos mit den schönen Seen Laguna Miscanti und Laguna Miniques führte. Beim Bezahlen der 3'000 Pesos informierte mich die Dame dass ich der einzige Tourist sei und sie den Park in 30min schliessen würden. In Anbetracht der starken Bewölkung und frostigen 2 Grad kam mir das nicht ungelegen und nach ein paar Bildern fuhr ich weiter Richtung Pass. In der Ferne sah ich im Gebirge einige Schneefälle, jedoch nicht mehr als ich die vorherigen zwei Wochen auch schon öfters sah. Es war trist und wurde von Minute zu Minute kälter. Nachdem ich die erste grosse Steigung hinter mir gelassen hatte, fuhr ich rund 150 Meter hinunter in ein schönes Tal; in dessen Mitte der Salzsee Laguna Aguas Caliente. Der Himmel war trüb und der Wind so stark, dass ich mir vornahm, die Nacht hier zu verbringen - morgen, bei gutem Wetter würde diese Landschaft ein tolles Bild abgeben.


Auf meinem GPS war eine Felsklippe, unweit vom Bergpfad entfernt eingezeichnet, die Schutz vor dem Wind bieten würde, also fuhr ich dort hin. Seit mehr als 4 Stunden hatte ich keinen Mobilempfang mehr und dies bereitete mir von Tag zu Tag mehr Probleme. War doch mein iPhone die einzige Verbindung zu meiner Frau und meinem Sohn, mit denen ich täglich per Videochat (Facetime) kommuniziere. Ich parkierte meinen Nissan Patrol im Schutz der Felsenklippe und bereitete im Dampfkochtopf meine letzten Karotten und Kartoffeln zu, welche ich vor dem Grenzübergang nach Argentinien noch aufbrauchen sollte. Dann, nach einem feinen Abendessen und einem sehr kurzen und sehr kalten Spaziergang gings ab in den Schlafsack und ich war innert Minuten im Tiefschlaf.


DIE WOHL SCHLIMMSTEN STUNDEN MEINES LEBENS
Nachts um 23.45 Uhr wurde ich von einem direkt neben mir eingeschlagenen Blitz und einem direkt auf das grelle Licht folgenden Donner aus dem Schlaf gerissen. Ich wusste zuerst gar nicht was passiert war. Ich schlief nie tief auf dieser Reise und Höhe, aber diese 2 Stunden war ich total weg. Mit der Taschenlampe suchte ich die Umgebung um mein Auto ab, aber die Scheiben waren total undurchdringlich mit Schnee bedeckt. Im Sekundentakt blitzte und donnerte es wie verrückt und ich wagte mich nicht, die Türe des Autos zu öffnen, war ich doch im Innern des Wagens sicher. Nach einigen Minuten kam sie schlagartig, die Angst. Ich war rund 250 Meter von der Bergstrasse entfernt und zwischen mir und dem nächsten kleinen Dorf lagen 70 Kilometer Gebirge. Ich öffnete die Tür des Wagens und die Angst erfasste mich so wie noch nie zuvor im Leben. Ich sah den Boden nicht mehr und der Schnee reichte so weit hoch, dass ich ihn mit der Türe wegdrücken musste. Dazu kam ein solch gewaltiger Wind, der mir den Eisschnee mit voller Wucht ins Gesicht trieb. Mein Hirn begann zu rattern. Was sollte ich tun? Sollte ich hier bleiben und bis morgen warten? Doch wenn es so weiter schneien würde, wäre mein Auto bis am Morgen unter den Schneemassen begraben. Sollte ich versuchen das Auto auszubuddeln und auf die Strasse zurückzufahren? Nein, das ging nicht, da ich absolut nichts sah. Der Schneesturm war so extrem dass ich nicht weiter als ein bis maximal zwei Meter sehen konnte. Spuren, die ich gefahren war, waren unter dem Schnee begraben. Dann schlug wieder ein Blitz ein, nur wenige hundert Meter von mir entfernt und mein Herz zog sich zu einer Erbse zusammen. Ich musste jedoch raus, um bei den Vorderrädern die Radnaben (bei alten 4x4 üblich) zu drehen. Also kämpfte ich mich durch den kniehohen Schnee - voller Angst vor dem Blitz zu - den beiden Vorderrädern und startete mit etwas Mühe den Motor. Ich hatte eine Idee. Auf meinem iPad hatte ich bislang die gesamte Reiseroute mit dem Programm MAPOUT aufgezeichnet (siehe Video) und so auch die 250 Meter weg von der Kiesstrasse hierher. Ich sah nichts und der Schnee auf dem Auto war mehr Eis als Schnee. Also öffnete ich das Fahrerfenster, streckte meinen Kopf aus dem Fenster und fuhr mit der Untersetzung im 4x4 einen Meter zurück. Ich blieb im Schnee stecken, meine Angst wurde grösser. Also setzte ich wieder nach vorne und versuchte es mit mehr Schwung noch einmal. Nach dem dritten Anlauf kam ich geschätzte 10 Meter von der Felswand weg und der Schnee wurde ein bisschen weniger. Ich sah nun sofort dass mein vermeintlicher „Windschutz“ dazu führte, dass der Schnee durch den Wind direkt zu einer Verwirbelung führte und meinen Wagen unter sich begrub. Nun kam der Einsatz meines iPads. Einige Stunden zuvor entstand hier auf dem iPad Programm eine blaue Linie, die signalisierte wo ich genau die Bergstrasse verlassen hatte und wie ich hier her kam. Ich musste also nichts anderes tun als dieser blauen Linie zu folgen. Einfacher gesagt als getan. Ich sah nichts - der Wind trieb mir das Eis in die Augen und ich verfuhr mich einige Male und landete immer aufs Neue in einer Schneeverwehung. Nach rund 20 Minuten kam ich dann patschnass und mit vor Kälte brennendem Gesicht auf einer Fläche an, die meine Strasse darstellen sollte.


Ich sah nichts - da waren keine Markierungen und ich hatte nur die blaue Linie, der ich durch das Gebirge folgen sollte. Das Thermometer zeigte unglaubliche -18 Grad an und ich hatte so blöd es nun klingen mag Angst, hier draussen zu sterben. Auf all meinen Reisen erlebte ich viele Schneestürme, doch keiner war ansatzweise so extrem wie dieser. Ich hatte bei der Fahrt hier hoch stundenlang kein anderes Auto gesehen und war effektiv in der Falle. Ich stieg aus und befreite das Auto vom erneut 30-40cm hoch liegenden Schneeeis. Dann fuhr ich im Schneckentempo auf den Anstieg zu, der mich stunden zuvor hier runtergebracht hatten. Nach wenigen hundert Metern war Schluss. In einer Art Gasse hatte sich eine undurchdringliche Schneewand gebildet und ich musste umkehren. Umkehren an einem Steilhang. Ich stieg beim Zurücksetzen mehrmals aus um zu sehen, ob meine Hinterachse noch auf der Strasse war und fuhr die Strasse zum Tal hinab. Laut dem GPS war es absolut irrsinnig die 78 Kilometer, die Richtung Argentinien noch vor mir lagen und noch weiter ins Gebirge führten zurückzulegen also entschied ich mich für das einzig Richtige. Ich parkierte das Auto auf einer Erhöhung der Kiesstrasse, auf der wegen dem Wind nur wenig Schnee setzte. Die ganze Nacht blitzte und schneite es durch. Der Wind kam von Westen - ich parkierte den Wagen absichtlich mit dem Motor weg vom Wind und bastelte aus einer leeren Petflasche eine Art „Windschutz“, den ich vor dem Schlafengehen über den Auspuff zog. Es war -23 Grad kalt und ich verkroch mich in den Schlafsack, der auf bis -25 Grad ausgelegt ist. Ich tat in dieser Nacht kein Auge zu. Der Wind peitschte über das Auto und es pfiff unglaublich. Ich resignierte. Während den nun knapp 16 Jahren, in denen ich die Landschaftsfotografie nun schon betreibe, hatte es einige gefährliche Situationen gegeben, aber noch nie war ich gefangen an einem Ort. Ohne Ausweg bei extremen Minustemperaturen gefangen zu sein, ist das bislang schlimmste, das ich erlebt hatte.


Morgens um sechs, als das Schneegestöber und der Wind noch nicht abnahmen, schaltetet ich dann das IRIDIUM Satellitentelefon ein und rief den Vermieter an. Er erschrak und sagte, er habe die Situation noch nie erlebt. Pässe seien gefährlich und Schneestürme keine Seltenheit. Ich fragte ihn, ob er mir nicht ein Schneeräumfahrzeug hochschicken könne und er meinte daraufhin, dass es sowas in Chile und Argentinien nicht gebe. Ich fragte nach einem Rescue-Team und er meinte ich solle ihm 3 Stunden Zeit geben und den Motor starten, dann hätte ich wenigstens warm. Ich gab ihm noch die exakten Koordinaten durch und verabschiedete mich. Dann versuchte ich den Motor zu starten. In der Regel gelang mir das innert 1-2 Minuten doch dieses mal wollte er einfach nicht starten. Dann endlich kam der Motor auf Touren. Kurz auf 4000 Umdrehungen, dann schaltete ich den Choke ein und der Motor lief warm. Dann plötzlich leuchtete die Batterieanzeige auf und der Motor starb ab. Ich versuchte es ein dutzend mal neu und endlich kam der Motor zurück, aber trotz vollem Drücken des Gaspedals kam er nicht auf über 1000 Touren. Sobald ich das Gaspedal losliess schaltete der Motor ab. Währenddessen telefonierte ich mit meiner Frau und begriff aufgrund Ihrer Reaktion umso mehr, dass ich effektiv in der „Scheisse“ sass. Sie machte sich Sorgen - und fühlte sich genau wie ich - hilflos. Ich stand also da - bei minus 23 Grad auf einer der abgelegensten Strassen von Chile auf einem Pass mit einem Auto, das nicht anspringen will und ich nicht mehr fahren konnte. Mein einziger Lichtstrahl war das Satellitentelefon, dass ich am Tage zuvor voll geladen hatte.

Morgens um 06.45 Uhr nach einer der kältesten Nächte meines Lebens besserte das Wetter plötzlich ein wenig und für eine halbe Stunde konnte ich sogar die umliegende Landschaft sehen.

Ich probierte es noch einmal und drückte das Gaspedal 5 Minuten lang. Dann fiel mir auf, dass je länger ich auf das Gas drückte umso mehr Touren der Motor machte. Anfänglich waren es 1000 und nach 5 Minuten waren es 1100. Ich hatte einmal gelesen, dass bei alten Autos der Alternator (Stromerzeuger beim Motor) abhängig vom Drehmoment die Batterie wieder lud. Mein Auto verbrauchte aber trotz abgeschaltetem Licht und Heizung noch zu viel Strom. Ich öffnete den Sicherungskasten und nahm alle Sicherungen heraus, die nicht zwingend notwendig waren. Primärer Motorlüfter, Radio, Zigarettenanzünder, Sekundärlüfter, etc. Nach satten 45 Minuten kam ich auf 3000 Touren und plötzlich war der Motor wieder voll da. Wegen der Kälte und schlechten Verbrennung verbrauchte der Motor während diesen 45 Minuten fast die Hälfte des Tanks und ich hatte nur noch 10 Liter übrig. Die 110 Liter auf dem Dach wären möglich, allerdings konnte ich nun unmöglich den Motor wieder ausschalten. Ich drückte eine 6 Liter Wasserflasche, die mittlerweile nur noch Eis enthielt auf das Gaspedal, so dass der Wagen laut aufheulte und ging hinaus in den Sturm um einen 30 Liter Benzinkanister vom Dach zu holen. Nach 10 Minuten hatte ich wieder Sprit und ich fuhr in die andere Richtung, tiefer ins Gebirge. Ich sah so gut wie nichts. Oben weiss unten weiss, die Strasse kam alle 100 Meter kurz zum Vorschein und die Schneeverwehungen überwand ich nur mit viel Geschick, Glück und zu viel Geschwindigkeit. Ich war so froh hatte ich während den letzten Jahren zehntausende Kilometer Offroaderfahrung gesammelt, ohne diese währe ich irgendwo im Strassengraben gelandet. Die Sicht war so schlecht, dass ich nach rund 14 Kilometern und 1.5 Stunden Fahrt aufgab. Ich fuhr mit Tränen in den Augen vor Erschöpfung und Angst einige Meter weiter und wie in einem Hollywoodfilm sah ich inmitten des weissen Nichts eine helle Lampe. Ich liess das Auto zurück, nahm mein GPS (iPad) mit und rannte durch den Schnee dem Licht entgegen. Da standen einige leuchtend gelbe kleine Häuschen an einem Berghang und kaum war ich 50 Meter am ersten Gebäude, ging die Tür auf und 3 Soldaten, bewaffnet mit Gewehren, dick verpackt mit Gesichtsmasken kamen auf mich zu gerannt. In gewohnt schnellem Spanisch fragte mich der erste was ich hier tue, ich antwortete in superschlechtem Spanisch - „Ich wurde vom Schnee überrascht und komme nicht mehr weg. Der Schnee ist zu hoch.“ Nun zu fünft kamen Sie mit mir zum Auto und halfen mir, den Nissan durch die tiefen Schneemaden zu den Gebäuden zu fahren / schieben. Sie sagten mir in strengem Ton, ich solle ihnen folgen. Wir gingen zielstrebig auf die mittlere Baracke zu und betraten eine kleine Küche. Von diesem Moment an ging es nur noch bergauf. Ich bekam warmen Tee und etwas warmes zu Essen. Sie sassen alle um mich und fragten mich aus. Schnell verstanden Sie, dass mein Spanisch für alle Konversationen nicht ausreichte und der Kommandant gab mir sein Telefon mit Google Translator. Sie hatten hier oben effektiv WIFI und Internet über Satellit und wir kommunizierten mit Hilfe von iPhone und meinem vorhandenen Spanisch. Zeitgleich fragte ich nach dem WIFI Passwort, damit ich als erstes meiner Frau mitteilen konnte, dass es mir gut geht.. Danach teilte ich dem Autovermieter mit, ich sei in Sicherheit er solle die Rettungsaktion abbrechen.. zum ersten mal ging es mir wieder richtig gut.

Meine Retter, der Kommandant (rechts) und seine Crew (einer fehlt, da er Wachdienst hat) - gemeinsames Abendessen in der abgelegen
sten Kaserne der Anden.

Wie ich erfuhr gab es hier oben auf dem Pass noch alte Landminen, von welchen grosse Gefahr ausging. Die Soldaten waren Minensucher, die hier ihr Camp aufgebaut hatten. Der Kommandant sagte, er habe in den ganzen Jahren nie so viel Schnee erlebt und auch Temperaturen von weniger als -15 Grad seien sehr selten. ICH dachte natürlich sofort „JACKPOT“ - dass das mir passieren musste war ja klar. Mir wurde gesagt, ich wäre Ihr Gast bis die Strasse wieder befahrbar wäre. Ich nahm dankbar an. Die Soldaten konnten aufgrund des Schnees nicht arbeiten und so sassen alle gemeinsam im TV-Raum in den Sofas und wir wärmten uns an den mit Generator betriebenen Heizungen. Gegen Abend liess dann der Sturm nach und ich ging mit der Drohne auf Erkundungsmission. Der Schnee lag überall, doch das Wetter wurde nun schlagartig besser. Ich erhielt ein eigenes Zimmer mit Bett und eine Flasche Wasser für die Toilette. Das Essen war absolut fantastisch und die Soldaten wechselten sich gegenseitig ab mit Kochen. Einer der 5 Chilenen musste immer Wache schieben und auch sonst hatten sie alle den grössten Respekt vor dem Kommandanten, der nicht älter als ich selbst schien. Er holte mir den Laptop und ich gab ihm die Luftaufnahmen vom Camp, die ich zuvor gemacht hatte. Seine Freude war riesig. Später zeigte er mir dann Fotos und Videos vom Suchen und Sprengen der Minen und wir tauschten uns zu 60% über Google Translator und 40% über mein Spanisch aus.

So sah die Kaserne einen Tag nach dem Blizzard aus - zu sehen sind meine Spuren im Schnee und mein Patrol (links) vor der Hütte stehen.

Am Tag darauf startete ich (wie durch ein Wunder gelang mir das nach 5 Minuten) mein Auto und ging nachmittags, als der Schnee von der Sonne verhärtet wurde, auf Erkundungsmission. Es war schon eigenartig, das einzige Auto weit und Breit zu sein. Nur ich, alleine mit dem Auto im weissen nichts. Ich fuhr zur Passage zurück, die ich in der Nacht des Sturms nicht überwinden konnte und fuhr so lange mit dem Auto in die Schneewehe hinein, bis ich zur Hälfte durch war. Am Tag darauf tat ich das Selbe so lange bis die Schneewehe, nun auch von der Sonne geschwächt, durchstossen war.

Dutzende tiefe Schneeverwehungen versperrten den Weg zurück nach San Pedro de Atacama - nach zwei Tagen Wind und Schneeschmelze konnte ich jedoch mit Anlauf und viel Glück durch alle hindurchfahren.

Die Bilder, die es an diesem zweiten Nachmittag und Abend gab, werde ich wohl mein Leben lang mit Freuden betrachten. Die absolute Eiseskälte und der Wind sorgten für einmalige Lichtverhältnisse. Ebenfalls begegnete ich einer Herde Vikunjas, welche den Beweis des Schneesturms noch einen Tag später deutlich auf dem Fell trugen.
Die Geschichte geht unten weiter


Noch zwei Tage nach dem Blizzard gab es Temperaturen von -21 Grad gepaart mit extrem starken Wind - Hier eine einmalige Abendstimmung auf über 4100 Metern über Meer.

Diese arme Vikunjafamilie konnte nicht in der Kaserne übernachten und musste die harten 3 Tage im Freien verbringen - für mich ein Wunder, dass ein Pelz vor solchen Witterungen schützen kann.

Ich fuhr zurück zu der Militärkaserne, verabschiedete mich bei allen, liess 50’000 Pesos in einem später per SMS mitgeteilten Versteck zurück (Ich hatte ihnen mehrfach Geld für Kost und Logie angeboten, aber sie hatten immer deutlich abgelehnt) und fuhr mit Wehmut im Herzen von meinen Rettern weg zurück Richtung San Pedro de Atacama. Als hätte ich nicht schon genügend Zufälle erlebt, kam mir nur 20 Kilometer später ein zum Schneeräumfahrzeug umgebauter Strassenpflüger entgegen und dahinter ein Konvoi aus Fahrzeugen, welche von San Pedro her die Touristen in das weisse Gebirge brachten. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben froh, Touristenautos zu sehen und erinnerte mich an die 3 Tagen hier in den Bergen zurück. Der Kommandant Carlos schickte mir dann später per Whatsapp ein Bild von einem selbstgebauten Schneemann und bedankte sich ganz herzlich bei mir für meinen „Besuch“.

Ich hatte die Naturgewalten hier in den Hochanden total unterschätzt und wurde dafür bestraft. Gott hatte jedoch meine vielen Gebete, die ich während dem Sturm und der Fahrt durch das Nichts zu ihm sandte, erhört und schenkte mir das eine Licht der Kaserne im Schneesturm. So sehr ich die Einsamkeit in meinem Beruf auch liebe und die Natur am liebsten alleine erwandere / befahre, so wurde mir wie bereits in Australien wieder etwas bewusst: Es ist nicht die Natur, welche mir die schönste Erinnerung an eine Reise schenkt, es sind die Menschen und deren Güte, an die ich mich immer und mit grösster Freude erinnern werde.

WORTE ZUM WETTERBERICHT
Wer sich nun fragt, ob ich denn den Wetterbericht nicht studiert hätte; Doch hab ich. Vorhergesehen war Ostwind von Argentinien her mit Wetterbesserung im späteren Tagesverlauf. Dann zog jedoch Westwind auf und es geschah, was hier im Blog zu lesen ist. Wettermodelle sind nicht überall auf der Welt gleich gut und vor allem im hohen Gebirge nicht immer vorhersehbar.